Embrifaaru! - Stressfrii in 5 Täg.
Eine Realsatire. Zum Lachen, zum Embrifaaru und zum Nachdenken. Das auch.
Ein Stück von Livia Anne Richard
Walliserdeutsche Übersetzung: Nadine Summermatter
Ohne Handy der Natur ausgesetzt, sollen sechs gestresste Menschen mittels Rollenspiel, Gruppentherapie, Lachyoga und Heilfasten wieder zurück zu sich, zurück zur eigenen Mitte finden, und dies natürlich möglichst effizient.
Inmitten all des Ungewohnten ist die Komfortzone unerreichbar weit weg und Liebgewohntes ganz verschwunden. Titel sind Schall und Rauch. Masken fallen. Menschen mit ihren Gefühlen und Geschichten kommen hinter dem Arbeitstier hervor…
Eine Handvoll Menschen – von der Pflegefachfrau über den Lehrer bis hin zum Verkaufsleiter – unterziehen sich einem fünftägigen Anti-Stress-Seminar. Um – wie es im Hochglanz-Prospekt heisst – «die eigenen inneren Ressourcen wiederzuentdecken», sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sogar bereit, diese Woche ganz ohne ihr Handy, dafür mit literweise Fastentee durchzustehen.
Sie lernen richtig zu atmen, zu meditieren, Bäume zu umarmen… Und sie üben, negative Glaubenssätze ins Positive zu verwandeln, etwa den Satz «Ich gehe arbeiten, deshalb bin ich wertvoll» in den Satz «Ich gehe arbeiten, weil ich wertvoll bin.» umzumünzen. Die Teilnehmenden bekommen zu hören, dass einer der grössten Stressfaktoren im Leben eines jeden Menschen sei, dass man sich ständig verstelle, vorgebe, ein anderer zu sein als der, der man eigentlich wäre. Nur: Hier fühlt sich eigentlich keine und keiner angesprochen.
Doch nicht alle sind sie freiwillig in diesem Seminar. Helen Schnyder etwa, die HR-Spezialistin, ist von ihrer Firma geschickt worden – als Vorbeugungsmassnahme gegen ein mögliches Burnout. Bei René Imhof war es gar die Ehefrau, die unter Androhung der Scheidung gefordert hatte, dass er sich endlich seiner Gesundheit annehme…
Und so ist es denn auch dieser Imhof, der sich gegen alles und jedes, was im Kurs gemacht werden soll, auflehnt und stänkert: «Aha, de will mu also in füf Täg us gstresstä Hännä souveräni Adler machu?» (Mit den „gstresstä Hännä“ meint er natürlich nur die andern…)
Die Ankündigung vom bevorstehenden Lachyoga löst bei ihm mittleren Brechreiz und höchste Alarmbereitschaft aus: «Ich ha nid im Si uf Chnopfdruck z’lachä!» Und die Tatsache, dass er mit den anderen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern im selben Tipi schlafen muss, gibt ihm definitiv den Rest.
Am Ende der Woche? Reibt man sich verwundert die Augen. Keiner ist mehr der, den er zu Beginn des Seminars vorgegeben hat zu sein. Auch nicht der Herr Imhof. Und in einem Fall führt die Aufdeckung der wahren Identität eines Kursteilnehmers beinahe zu einem Nervenzusammenbruch von Coach Ivo Steiner….
Langsam, aber sicher beginnt man zu verstehen, dass es mit dem «Embrifaaru!» eben nur dann klappen kann, wenn man als erste Massnahme mal das Ausrufezeichen hinter dem Wort entfernt…
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